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BMW Group Q1 2026: Solider Start trotz China, Zöllen und BEV-Druck

BMW-News-Blog: BMW Group Q1 2026: Solider Start trotz China, Zöllen und BEV-Druck
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BMW Group Q1 2026: Solider Jahresauftakt trotz China-Schwäche, Zollbelastung und BEV-Druck - warum Europa, Neue Klasse und Kostendisziplin jetzt so wichtig werden

Die BMW Group ist mit einem insgesamt soliden, aber klar anspruchsvollen ersten Quartal 2026 ins neue Geschäftsjahr gestartet. Auf den ersten Blick wirken die Zahlen gemischt: Das Ergebnis vor Steuern liegt mit 2,348 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert, ebenso sanken Umsatz, Auslieferungen und vor allem der weltweite Anteil der vollelektrischen Fahrzeuge. Gleichzeitig hält BMW aber zentrale Zielgrößen erstaunlich stabil: Die Konzern-Umsatzrendite vor Steuern erreicht mit 7,6 Prozent nahezu das Niveau des Gesamtjahres 2025, die EBIT-Marge im Automobilsegment liegt mit 5,0 Prozent mitten im kommunizierten Jahreskorridor, und der Free Cashflow des Automobilgeschäfts springt im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich nach oben. Genau diese Kombination macht den Jahresauftakt so interessant. BMW liefert kein euphorisches Wachstumsquartal, aber ein Quartal, das unter schwierigen Bedingungen zeigt, wie belastbar die aktuelle Konzernstrategie tatsächlich ist.

Noch spannender wird das Bild, wenn die Hintergründe dazukommen. In Europa wächst BMW weiter, in Deutschland sogar klar spürbar. Gleichzeitig bremsen ein intensiver Wettbewerb, die schwache Marktentwicklung in China, höhere Zollaufwendungen, negative Währungs- und Rohstoffeffekte sowie zusätzliche Belastungen im Finanzdienstleistungsgeschäft das Ergebnis. Parallel beginnt aber mit BMW iX3 und BMW i3 die heiße Phase der Neuen Klasse, die Oliver Zipse strategisch als nächsten Technologiesprung für das gesamte Portfolio positioniert. Genau daraus entsteht die eigentliche Story dieses Quartals: BMW versucht nicht, kurzfristige Gegenwinde schönzureden, sondern kombiniert Kostendisziplin, Produktionsflexibilität, Technologieoffenheit und den Hochlauf neuer Modelle zu einer Übergangsphase, in der das Unternehmen finanziell stabil bleiben und zugleich die nächste Produktoffensive vorbereiten will.

Das Wichtigste in 20 Sekunden

  • BMW erzielt im ersten Quartal 2026 ein EBT von 2,348 Milliarden Euro und eine EBT-Marge von 7,6 Prozent.
  • Die EBIT-Marge Automobile liegt mit 5,0 Prozent mitten im Guidance-Korridor für das Gesamtjahr.
  • Der Free Cashflow im Automobilsegment steigt deutlich auf 777 Millionen Euro.
  • Die weltweiten Auslieferungen sinken leicht auf 565.780 Fahrzeuge, Europa wächst dagegen um 3,1 Prozent, Deutschland um 7,0 Prozent.
  • China bleibt der größte Belastungsfaktor im Absatzumfeld, BMW entwickelt sich dort aber besser als der Gesamtmarkt.
  • Die BEV-Bestellungen in Europa steigen um mehr als 60 Prozent, der BMW iX3 erreicht bereits über 50.000 Vorbestellungen.
  • BMW bestätigt die Jahresprognose 2026 und hält an Technologieoffenheit, Kostendisziplin und Neue-Klasse-Rollout fest.

1) Solider Auftakt mit klarem Gegenwind: Warum die BMW-Zahlen auf den zweiten Blick stärker wirken als sie zunächst aussehen

Auf den ersten Blick zeigt das erste Quartal 2026 einige klare Rückgänge: weniger Auslieferungen, weniger Umsatz, weniger BEV-Volumen, weniger Gewinn. Genau deshalb könnte man vorschnell den Eindruck gewinnen, dass BMW mit schwungloserem Tempo ins Jahr startet. Diese Lesart greift aber zu kurz. Denn der Konzern bewegt sich derzeit in einem Umfeld, das von gleich mehreren Gegenkräften geprägt ist: starker Preis- und Wettbewerbsdruck, China-Schwäche, Zollbelastungen, negative Währungseffekte, höhere Abschreibungen und gleichzeitig der kostenintensive Hochlauf neuer Technologien. Dass BMW unter diesen Voraussetzungen im Automobilsegment eine 5,0-Prozent-EBIT-Marge erreicht und auf Konzernebene die 7,6-Prozent-EBT-Marge nahezu auf Vorjahresniveau des Gesamtjahres hält, ist deshalb deutlich belastbarer, als es die bloße YoY-Betrachtung vermuten lässt.

Genau das ist auch die kommunikative Linie von BMW. Oliver Zipse stellt das Quartal als Beweis für strategische Konsistenz, operative Leistungsstärke und hohe Flexibilität dar. Walter Mertl argumentiert aus Finanzsicht ähnlich nüchtern: Die Marge liegt im Korridor, der Free Cashflow verbessert sich, die Guidance bleibt stehen. Diese Tonalität ist wichtig, weil sie zeigt, dass BMW das Quartal weder überhöht noch kaschiert. Es ist kein Glanzquartal, aber aus Konzernsicht eben ein Quartal, in dem die operative Basis funktioniert - und das ist in einer Übergangsphase Richtung Neue Klasse mindestens genauso relevant wie kurzfristige Absatzspitzen.

2) Die wichtigsten Q1-Zahlen 2026: Umsatz, EBT, EBIT-Marge und Free Cashflow im Überblick

Die nackten Kennzahlen zeigen ein gemischtes, aber strukturell stabiles Bild. Die Konzernumsatzerlöse gehen im ersten Quartal 2026 auf 31,007 Milliarden Euro zurück, nach 33,758 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 8,1 Prozent, währungsbereinigt fällt das Minus mit 4,3 Prozent spürbar moderater aus. Das Konzernergebnis vor Steuern sinkt auf 2,348 Milliarden Euro, nach 3,113 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Der Konzernüberschuss liegt bei 1,672 Milliarden Euro, ebenfalls klar unter Vorjahr. Dennoch bleibt die EBT-Marge mit 7,6 Prozent auf dem Niveau des Gesamtjahres 2025 - und genau dieser Punkt ist für BMW die wichtigste Stabilitätsbotschaft.

Im Segment Automobile fällt das EBIT von 2,024 Milliarden Euro auf 1,345 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge sinkt damit von 6,9 Prozent auf 5,0 Prozent. Trotzdem liegt sie exakt in der Mitte des Jahreskorridors von 4 bis 6 Prozent. Sehr positiv wirkt dagegen der Free Cashflow des Automobilsegments, der auf 777 Millionen Euro steigt und damit das Vorjahresquartal um 88,1 Prozent übertrifft. Genau hier zeigt sich, dass BMW nicht nur auf Margen schaut, sondern operativ und finanziell auf Stabilität des Gesamtsystems achtet. In der Chart-Präsentation wird dieser Punkt besonders klar: Das EBIT bleibt im Guidance-Korridor, der Free Cashflow liegt bei rund 800 Millionen Euro, und beides wird als Ausdruck finanzieller Disziplin ins Zentrum gestellt.

BMW Group Q1 2026 in den wichtigsten Kennzahlen

  • Umsatz: 31,007 Mrd. €
  • Ergebnis vor Steuern (EBT): 2,348 Mrd. €
  • EBT-Marge Konzern: 7,6 %
  • EBIT Automobile: 1,345 Mrd. €
  • EBIT-Marge Automobile: 5,0 %
  • Free Cashflow Automobile: 777 Mio. €
  • Auslieferungen Automobile: 565.780 Fahrzeuge

3) Europa trägt, China bremst, USA bleiben schwierig: Wie sich die Weltregionen für BMW aktuell entwickeln

Regional ist das Quartal sehr klar zweigeteilt. Europa ist aktuell der wichtigste Stabilitätsanker für BMW. In der größten Vertriebsregion des Konzerns steigen die Auslieferungen im ersten Quartal um 3,1 Prozent, in Deutschland sogar um 7,0 Prozent. Noch wichtiger: Die Marke BMW erzielt in Europa die höchsten jemals in einem Quartal erreichten Auftragseingänge. Genau das ist ein besonders starkes Signal, weil es nicht nur Ist-Absatz, sondern die künftige Nachfragedynamik betrifft. BMW profitiert hier sichtbar von seinem breiten Antriebsportfolio und davon, dass Europa derzeit sowohl bei klassischen Antrieben als auch bei elektrifizierten Modellen tragfähiger wirkt als andere Regionen.

Auf der anderen Seite bleibt China der große Problemraum. Der Gesamtmarkt bricht dort im ersten Quartal um 17,5 Prozent ein, BMW verliert im selben Zeitraum 10,0 Prozent und entwickelt sich damit zwar besser als der Markt, aber eben trotzdem rückläufig. In den USA bremst vor allem das Ende der Förderprogramme für elektrifizierte Fahrzeuge, was besonders die BEV-Verkäufe trifft. BMW kann das mit Verbrennern weitgehend abfedern, aber die Region Americas bleibt insgesamt mit -4,0 Prozent unter Druck. Genau diese regionale Asymmetrie macht verständlich, warum BMW so stark auf Flexibilität, Technologieoffenheit und unterschiedliche Antriebsangebote pocht. Ohne diese Breite wäre das Quartal wahrscheinlich deutlich unruhiger ausgefallen.

4) Warum der BEV-Rückgang weltweit nicht die ganze Elektro-Story erzählt

Die globale BEV-Entwicklung wirkt auf den ersten Blick enttäuschend. BMW liefert im ersten Quartal 87.488 vollelektrische Automobile aus, nach 109.513 im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 20,1 Prozent. Der BEV-Anteil an den Gesamtauslieferungen sinkt von 18,7 Prozent auf 15,5 Prozent. Auch der Anteil aller elektrifizierten Fahrzeuge - also BEV plus PHEV - fällt auf 23,4 Prozent. Für reine Elektro-Euphorie taugen diese Werte nicht. Aber sie erzählen eben auch nicht die ganze Wahrheit. Denn BMW argumentiert bewusst differenziert nach Regionen und verweist darauf, dass besonders in den USA und in China politische Förderkürzungen und Marktverzerrungen die Vorjahresvergleiche stark beeinflussen.

In Europa sieht die Lage dagegen ganz anders aus. Dort steigt der BEV-Anteil auf 25,3 Prozent, und die Bestelleingänge für vollelektrische Fahrzeuge legen um mehr als 60 Prozent zu. Genau das ist für BMW strategisch wichtiger als die globale Schlagzeile vom rückläufigen BEV-Absatz. Denn der Konzern interpretiert die aktuelle Lage nicht als generellen Nachfrageschwund, sondern als Ausdruck regional sehr unterschiedlicher politischer und marktwirtschaftlicher Bedingungen. Diese Sicht stützt auch die zentrale Konzernthese: Technologieoffenheit ist kein Ausweichen, sondern eine Absicherung gegen genau solche regional divergierenden Dynamiken.

BEV bei BMW Q1 2026: die entscheidende Einordnung

  • weltweit: 87.488 BEV, Anteil 15,5 %
  • Europa: BEV-Anteil 25,3 %, Bestellungen +60 %
  • USA: Rückgänge nach Förderende
  • China: Rückgänge nach Förderkürzungen und schwächerem Gesamtmarkt
  • Fazit: globaler Rückgang, aber regional sehr unterschiedliche Dynamik

5) Neue Klasse, iX3 und i3: Warum BMW den strategischen nächsten Schritt trotz angespannter Lage konsequent durchzieht

Der vielleicht spannendste strategische Teil der Unterlagen steckt nicht in den klassischen Q1-Zahlen, sondern in der Neue-Klasse-Erzählung. Oliver Zipse nutzt die Quartalskommunikation sehr deutlich, um den Blick nach vorne zu lenken. Der BMW iX3 ist das erste Fahrzeug der Neuen Klasse und entwickelt sich laut Konzern äußerst erfolgreich. Allein in Europa liegen die Vorbestellungen bei über 50.000 Einheiten. Angesichts der hohen Nachfrage wurde die zweite Schicht der iX3-Produktion im Werk Debrecen bereits vorgezogen. Gleichzeitig wurde im März der neue BMW i3 vorgestellt, der als zweites Modell der Neuen Klasse eine Art emotionales und markenstrategisches Kernstück darstellt.

BMW betont dabei immer wieder, dass es nicht um einzelne Elektroautos geht, sondern um einen Technologiesprung für das gesamte Portfolio. Neue Technologiecluster und eine neue Designsprache sollen künftig jedes zukünftige BMW-Modell prägen - und zwar unabhängig von der Antriebsform. Genau das ist die entscheidende Botschaft. BMW will die Neue Klasse nicht als Parallelwelt neben dem bisherigen Portfolio etablieren, sondern als übergreifenden Modernisierungsschub. Das erklärt auch, warum Zipse die Begriffe Technologieneutralität und globale Präsenz so stark herausstellt. Die Neue Klasse ist für BMW kein Dogma reiner Elektromobilität, sondern die Plattform für Effizienz, Digitalisierung, Design und Wettbewerbskraft der nächsten Jahre.

6) Kosten, Disziplin, Investitionen und FuE: Wie BMW seine Margen im schwierigen Umfeld stabilisiert

Ein zentrales Thema der Q1-Unterlagen ist das disziplinierte Kostenmanagement. BMW senkt die Forschungs- und Entwicklungsleistungen im ersten Quartal auf 1,755 Milliarden Euro, ein Rückgang von 11,5 Prozent. Auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten gehen um 5,1 Prozent zurück. Die Investitionen fallen mit 1,723 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr sogar besonders deutlich niedriger aus. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern Teil der Konzernstrategie, nach dem Peak der Vorjahre nun stärker von den bereits vorbereiteten Vorleistungen für die Neue Klasse zu profitieren. Walter Mertl argumentiert dabei klar: Die BMW Group nutzt frühere Investitionen in die Neue Klasse jetzt, um FuE und CAPEX kontrolliert herunterzufahren, ohne strategisch an Tempo zu verlieren.

Ganz kostenlos ist das allerdings nicht. Trotz sinkender FuE-Leistungen steigen die in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Forschungs- und Entwicklungskosten um 7,3 Prozent. Der Grund sind vor allem höhere Abschreibungen auf frühere aktivierte Entwicklungskosten sowie eine niedrigere Aktivierungsquote. Genau hier zeigt sich, dass die Bilanzmechanik in Übergangsphasen komplizierter ist als reine Kürzungsschlagzeilen. BMW spart also nicht blind, sondern verschiebt den finanziellen Schwerpunkt - weg von extrem hohem Vorlauf, hin zu kontrollierterem Ressourceneinsatz bei weiterlaufender Produktoffensive.

7) Zollbelastung, Währung, Rohstoffe und FCA-Rückstellungen: Was die Ergebnisrechnung im Quartal belastet hat

BMW nennt die Belastungsfaktoren für das erste Quartal ungewöhnlich offen. Besonders stark wirken die zusätzlichen Zollaufwendungen, vor allem in den USA. Allein sie belasten die EBIT-Marge im Automobilsegment um rund 1,25 Prozentpunkte. Hinzu kommen negative Währungs- und Rohstoffeffekte, die laut Walter Mertl in Summe einen negativen Effekt von rund 400 Millionen Euro ausmachen. Dazu kommt ein negativer Effekt aus Volumen, Mix und Preis von rund 700 Millionen Euro, was vor allem auf geringeres Absatzvolumen und intensiven globalen Wettbewerb zurückgeführt wird. Diese Kombination erklärt, warum die Marge zwar im Korridor bleibt, aber deutlich unter Vorjahr liegt.

Zusätzlich gibt es Belastungen im Finanzdienstleistungsgeschäft. Dort drückt eine höhere Risikovorsorge für branchenübergreifende Entschädigungsprogramme für Autofinanzierungskunden im Vereinigten Königreich, ausgelöst durch die Entscheidungen der Financial Conduct Authority. Das Segment kommt deshalb nur noch auf ein EBT von 381 Millionen Euro nach 650 Millionen Euro im Vorjahr. Genau diese Gemengelage macht das Quartal so erklärungsbedürftig: Es ist eben kein einfacher Fall von „weniger verkauft, weniger verdient“, sondern ein Zusammenspiel aus Markt, Politik, Regulatorik, Währung und Transformationskosten.

Die größten Ergebnisbremsen im ersten Quartal 2026

  • höhere Zölle, vor allem in den USA
  • Währungs- und Rohstoffeffekte
  • intensiver Wettbewerb mit Druck auf Volumen, Mix und Preis
  • höhere Abschreibungen auf frühere Entwicklungsaufwendungen
  • zusätzliche FCA-Rückstellungen im Finanzdienstleistungsgeschäft

8) MINI, Motorrad, Finanzdienstleistungen: Wo BMW außerhalb der Kernmarke positive und negative Signale sendet

Neben der Kernmarke BMW lohnt sich der Blick auf die übrigen Segmente. MINI entwickelt sich im Quartal positiv und steigert den weltweiten Absatz um 6,0 Prozent auf 68.503 Fahrzeuge. Damit wächst MINI bereits das fünfte Quartal in Folge. Besonders stark wirkt dabei der BEV-Anteil von 35,1 Prozent innerhalb der Marke. Das zeigt, dass BMWs Mehrmarkenstrategie nicht nur ein Portfolio-Thema ist, sondern auch in der Elektrifizierung unterschiedlich schnell und erfolgreich funktioniert. Rolls-Royce liegt mit 1.271 Fahrzeugen leicht unter Vorjahr.

Im Motorradsegment sinken die Auslieferungen zwar um 4,2 Prozent auf 42.735 Einheiten, das Segment verbessert aber seine Profitabilität deutlich: Das EBIT steigt auf 89 Millionen Euro, die EBIT-Marge springt auf 11,4 Prozent nach 9,4 Prozent im Vorjahr. Das ist ein bemerkenswert starker Wert. Im Segment Finanzdienstleistungen steigt die Zahl der Neuverträge mit Endkunden um 4,3 Prozent auf 420.212, die Penetrationsrate steigt auf 51,6 Prozent. Gleichzeitig fällt das Ergebnis dort deutlich ab. Diese Mischung zeigt sehr gut, dass Volumenwachstum und Ergebnisqualität im BMW-Konzern derzeit stark voneinander entkoppelt verlaufen können.

9) Prognose 2026 bestätigt: Warum BMW trotz aller Unsicherheiten am Jahresausblick festhält

Trotz des schwierigeren Umfelds bestätigt BMW die Prognose für das Gesamtjahr 2026. Auf Konzernebene erwartet das Unternehmen weiterhin einen moderaten Rückgang des Ergebnisses vor Steuern. Im Automobilsegment rechnet BMW mit Auslieferungen auf Vorjahresniveau und einer EBIT-Marge von 4 bis 6 Prozent. Für das Motorradsegment gilt derselbe EBIT-Korridor von 4 bis 6 Prozent, bei den Finanzdienstleistungen wird eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 16 Prozent angestrebt. Die Chart-Unterlagen verdichten das sehr klar: Profitabilität im Korridor, Guidance bestätigt, finanzielle Disziplin bleibt das Leitmotiv.

Ganz ohne Unsicherheit ist dieser Ausblick allerdings nicht. BMW verweist ausdrücklich auf erhöhte Volatilität im Zusammenhang mit Zöllen, auf geopolitische Risiken sowie auf die unsichere Lage im Nahen Osten. Für die Zölle rechnet der Konzern nun mit einer Belastung von rund 1,25 Prozentpunkten auf die EBIT-Marge Automobile im Gesamtjahr, statt 1,5 Prozentpunkten wie 2025. Das klingt nach leichter Entlastung, bleibt aber trotzdem ein massiver Ergebnistreiber. Dass BMW die Prognose trotzdem bestätigt, zeigt vor allem eines: Der Konzern vertraut darauf, seine operative Flexibilität und sein Kostenmanagement auch in einem volatileren zweiten Halbjahr halten zu können.

Bereich Q1 2026 Q1 2025 Veränderung
Konzernumsatz 31,007 Mrd. € 33,758 Mrd. € -8,1 %
Konzernergebnis vor Steuern (EBT) 2,348 Mrd. € 3,113 Mrd. € -24,6 %
EBT-Marge Konzern 7,6 % 9,2 % -1,6 %-Punkte
Auslieferungen Automobile 565.780 586.117 -3,5 %
BEV-Auslieferungen 87.488 109.513 -20,1 %
BEV-Anteil 15,5 % 18,7 % -3,2 %-Punkte
EBIT Automobile 1,345 Mrd. € 2,024 Mrd. € -33,5 %
EBIT-Marge Automobile 5,0 % 6,9 % -1,9 %-Punkte
Free Cashflow Automobile 777 Mio. € 413 Mio. € +88,1 %
Motorrad-EBIT-Marge 11,4 % 9,4 % +2,0 %-Punkte

FAQ zur BMW Group im ersten Quartal 2026

Wie hoch war das Ergebnis vor Steuern der BMW Group im ersten Quartal 2026?

Die BMW Group erzielte im ersten Quartal 2026 ein Ergebnis vor Steuern von 2,348 Milliarden Euro.

Wie entwickelte sich die EBIT-Marge im Automobilsegment?

Die EBIT-Marge im Segment Automobile lag bei 5,0 Prozent und damit in der Mitte des kommunizierten Jahreskorridors von 4 bis 6 Prozent.

Warum gingen die BEV-Auslieferungen zurück?

Vor allem wegen schwächerer BEV-Märkte in den USA und China nach dem Wegfall oder der Kürzung von Förderungen. In Europa legten die Bestellungen für vollelektrische Fahrzeuge dagegen deutlich zu.

Wie stark war Europa für BMW im Quartal?

Europa war die stärkste Vertriebsregion mit einem Auslieferungsplus von 3,1 Prozent. In Deutschland stieg der Absatz um 7,0 Prozent.

Welche Rolle spielt die Neue Klasse im Quartal?

Strategisch eine sehr große. Der BMW iX3 verzeichnet bereits über 50.000 Vorbestellungen in Europa, der neue BMW i3 ist das zweite Modell der Neuen Klasse und soll den Technologiesprung im Portfolio verbreitern.

Hat BMW die Jahresprognose 2026 verändert?

Nein. BMW hat die Prognose bestätigt und rechnet weiterhin mit Auslieferungen auf Vorjahresniveau im Automobilsegment sowie einer EBIT-Marge von 4 bis 6 Prozent.

Fazit: BMW startet 2026 nicht spektakulär, aber bemerkenswert kontrolliert - und genau das ist aktuell die eigentliche Stärke

Die BMW Group zeigt im ersten Quartal 2026 ein Bild, das sich gut als kontrollierte Robustheit beschreiben lässt. Umsatz, Gewinn und BEV-Quote stehen unter Druck, keine Frage. Doch gleichzeitig hält der Konzern die Profitabilität im Zielkorridor, verbessert den Free Cashflow, wächst in Europa, verbucht Rekord-Auftragseingänge und treibt mit iX3 und i3 die Neue Klasse sichtbar voran. In einer Phase, in der Förderregime kippen, Zölle belasten, China schwächelt und die Branche zwischen Elektromobilität, Preisdruck und geopolitischer Unsicherheit neu sortiert wird, ist genau diese Form von Stabilität strategisch viel wert.

BMW verkauft das Quartal nicht als Triumph - und genau das macht die Botschaft glaubwürdig. Der Konzern steht unter Druck, aber er wirkt nicht getrieben. Stattdessen setzt BMW weiter auf das, was das Management immer wieder betont: Technologieoffenheit, globale Präsenz, Kostenkontrolle, Produktionsflexibilität und ein attraktives Produktportfolio. Ob diese Formel auch durch den Rest von 2026 trägt, wird stark von China, Zöllen und dem weiteren Hochlauf der Neuen Klasse abhängen. Nach dem ersten Quartal lässt sich aber klar sagen: BMW hat den Auftakt nicht glänzend, aber ziemlich professionell und strategisch sauber gemeistert.

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