Magazin erstellt am 28.04.2022 um 16:31:53 [ voriger | nächster ]

Bayerische Oldies auf der Straße halten: Gedanken zu Kfz-Teilen und mehr

BMW-News-Blog: Bayerische_Oldies_auf_der_Strasse_halten__Gedanken_zu_Kfz-Teilen_und_mehr
Bayerische Oldies auf der Straße halten: Gedanken zu Kfz-Teilen und mehr

Neue BMWs mögen fraglos ihren Charme haben. Allerdings geht zweifelsohne von Klassikern zwischen E30 Touring, 02er, E12 und Konsorten etwas Magisches aus, das sich rational nicht beschreiben lässt. Oldtimer lautet das Stichwort und damit Autos, die nach offiziellem Duktus vor mindestens 30 Jahren erstmalig zugelassen wurden. Doch so schön alles Automobile auch ist, das mit dieser Tatsache einhergeht, so unterliegt letztendlich jeder Besitzer eines solchen Schätzchens einem unausgesprochenen Auftrag der gesamten Szene - sogar weit über BMW hinaus: Nicht nur fahren, sondern wirklich etwas dafür tun, damit solche automobilen Kostbarkeiten, von denen schon seit Jahrzehnten keine mehr produziert werden, als buchstäbliches Kulturgut noch möglichst lange erhalten bleiben.

Beim Warten bitte nicht schludern

Wohl so mancher Leser hat sich schon auf den einschlägigen Autoportalen gewundert, warum dort eigentlich nicht allzu übel aussehende BMW-Klassiker für verhältnismäßig schmales Geld angeboten werden. Die traurige Wahrheit dahinter ist, viele kaufen sich einen Oldtimer und stellen dann fest, dass deren Unterhalt einiges mehr an Kosten und Aufwand verursacht als der Betrieb eines neuen Leasing-Modells. Das gilt auch, aber nicht ausschließlich bei Oberklassemodellen.

Dementsprechend haben viele Gebrauchte einen mittleidenswert langen Wartungsstau - und stecken, falls sie überhaupt gewartet wurden, oft voller zweifelhafter Kfz-Teile vom billigsten Anbieter. Wer dann kauft und diesen Zustand nicht schleunigst ändert, trägt seinen Teil dazu bei, dass dieser BMW in einigen Jahren erneut im Netz landet, diesmal unter dem Oberbegriff „Schlachtfest“.

Es gibt bei seriösen Anbietern definitiv noch genügend Kfz-Teile, selbst für alte Bayern, in Erstausrüsterqualität. Weniger sollte es für einen Klassiker wirklich nicht sein. Dazu ist das Qualitätsgefälle zwischen hochwertigen und zweifelhaften Ersatzteilen einfach zu dramatisch und hängt davon zu viel ab. Es muss nicht immer die Teiletheke beim BMW-Dealer sein, aber dieselbe Qualität sollte ein Oldie definitiv wert sein. 

Einen umfassenden Stamm an Teilehändlern zusammentragen

Es gibt Automarken, bei denen es deutlich schwieriger ist, altes Blech auf der Straße zu halten als bei BMW. Denken wir an Ford, wo 1977 das zentrale Ersatzteillager in Köln abbrannte. Bis heute wirkt diese (nach wie vor ungeklärte) Katastrophe für die Anhänger dieser Marke nach, weil dabei zigtausende nie mehr nachproduzierte originale Kfz-Teile ein Raub der Flammen wurden.   

Bei BMW gab es zum Glück niemals ein solches Inferno. Und im Gegensatz zu manch anderen Marken hat BMW niemals eine Attitüde gepflegt, eine Modellreihe sofort zu vergessen, sobald der Nachfolger in die Showrooms rollte. Doch auch hier ist nicht (mehr) alles so rosig. Zum 1. Juli 2021 schaltete BMW Group Classic seinen Online-Shop ab, seitdem haben Besitzer nur noch die Option, wieder zum Händler zu gehen - was je nach Modell und Fachkenntnis der Lagerbediensteten längst nicht so einfach ist, wie es sich anhört. 

Das Problem an der Sache: 

·       Verschleiß- und viele Ersatzteile in Erstausrüsterqualität gibt es über Dritthändler,
·       viele andere Baugruppen können mit genügend Geldeinsatz repariert werden. 

Für manche Kfz-Teile, besonders in Sachen Karosserie und Innenausstattung, lässt sich jedoch beim besten Willen auf den üblichen Kanälen kein Ersatz mehr beschaffen - wer etwa für einen E21 vor Modelljahr 1977 ein Lenkrad benötigt, wird das schmerzlich feststellen.  

Die Losung sollte deshalb lauten, sich unbedingt in der Szene und mit sämtlichen Händlern gut zu vernetzen. Alles lässt sich zwar auf diesem Weg sicherlich nicht mehr bekommen, aber wer gut vernetzt ist, hat ganz klar die deutlich besseren Karten als jemand, der wirklich nur auf seinen BMW-Händler vertraut. Direkt mit dieser Mentalität ist zudem ein weiterer Punkt verbunden:

Wer BMW-Klassiker fährt, muss ein Eichhörnchen sein

Die Herstellung und vor allem Bevorratung von Ersatzteilen ist extrem teuer. Das gilt ganz besonders, wenn es sich um totes Kapital handelt, weil die Baureihe, für die Kfz-Teile konzipiert wurden, schon längst eingestellt wurde - hierin findet sich auch der Grund, warum viele Verschleißteile für Oldies deutlich einfacher zu bekommen sind; diese wurden oftmals modell- und sogar herstellerübergreifend verbaut. 

Die meisten Autohersteller, darunter BMW, praktizieren schon seit längerem die Gepflogenheit, zumindest wesentliche Teile bis zu zehn Jahre nach Auslaufen einer Baureihe weiterhin vorrätig zu halten - die EU verpflichtet sogar nur zu sieben Jahren. Wenn jedoch ein Auto schon seit 30, 40 oder noch mehr Jahren nicht mehr hergestellt wird, kann niemand erwarten, auf offiziellem Wege alles mit derselben Selbstverständlichkeit bekommen zu können wie bei einem relativ modernen BMW.

Infolgedessen sollten Klassiker-Besitzer nicht nur vernetzt sein, sondern diese Netzwerke proaktiv nutzen, bevor der Fall der Fälle eintritt - also etwas benötigt wird. Ein Guter Oldtimer-Fahrer agiert deshalb nach der Eichhörnchen-Methode:
  • Dann kaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet,
  • Kfz-Teile kaufen, die man absehbar und akut eigentlich nicht benötigt oder die normalerweise nicht defekt werden,
  • Dinge kaufen, die eigentlich nicht zur eigenen Ausstattungsvariante gehören (im Zweifelsfall als Tauschgegenstand) und 
  • immer mehr kaufen, als man eigentlich braucht. 

Es mag zwar nur wie ein lockerer Spruch wirken, im Kern ist er jedoch wahr: Für jeden Oldtimer, den man besitzt, werden zwei Garagen benötigt. Eine für den Wagen, die andere für die Ersatzteile. Nicht, weil sie absehbar gebraucht werden, sondern weil es bei so alten Fahrzeugen deutlich besser ist, sie zu besitzen und nicht zu benötigen, als sie zu benötigen, aber nicht zu besitzen.

Rostvorsorge und -bekämpfung sind eine ständige Pflicht

„Bis dass der TÜV uns scheidet“ ist speziell bei Autos früherer Baujahre oftmals gleichbedeutend mit kapitalen Durchrostungen. Es ist einfach so: BMW war zwar niemals einer derjenigen Hersteller, bei denen die Fahrzeuge nicht nur halb-sprichwörtlich bereits im Showroom rosteten. Dennoch sollte niemand vor lauter Markenliebe die Augen vor der Tatsache verschließen, dass man auch in Bayern eben nur mit Stahlblech arbeitet. 

Heißt, selbst wenn BMW sich schon früher deutlich Mühe gab, sehr sorgsam zu lackieren und anderweitige Rostvorsorge zu betreiben, so ist doch kein bayerischer Klassiker davor gefeit, bei Nichtbeachtung denselben rostrot-bröseligen Weg zu gehen, über den mancher Fahrer wohl gerne gegenüber anderen Automarken lästert. Ein ganz einfaches Alterungsproblem.

Doch was bedeutet das? Es ist ganz einfach: Wer sich einen BMW-Oldie zulegt, der sollte spätestens nach der Zulassung Kontakt zu einem szenebekannten Experten für Rostvorsorge aufnehmen. Hier sollte wirklich auch auf die Hilfe unseres Forums zurückgegriffen werden. Es gibt in Deutschland viele Firmen, die Rostvorsorge anbieten, aber nur wenige, die (markenübergreifend) für ihre Sorgfalt gefeiert werden und ihr Geld wert sind.

Denn was solche Experten tun, ist deutlich mehr, als einfach nur Hohlräume mit Wachs zu fluten. Ein guter Dienstleister in diesem Bereich entfernt Rost, wendet die richtigen Mittel an und scheut sich dazu auch nicht, den Wagen teilweise zu zerlegen. Natürlich, selbst bei einem weitgehend rostfreien gepflegten Schätzchen geht das selten unter 2000 Euro über die Bühne, wo ein beliebiger „Hohlraumfluter“ vielleicht nur 750 verlangt. Dafür aber gibt es die Gewissheit, in Sachen Rost für die nächsten Jahre wirklich Ruhe zu haben - selbst, wenn der Klassiker sogar im Winter bewegt würde, was aber ein echter Liebhaber von klassischen BMWs trotz allem niemals tun würde.



 
Autor: Chris_W. [ voriger | nächster ]